Ölstandskontrolle

Danke an HAWK

Da einige Kollegen Probleme mit der korrekten Messung haben – hier ein wenig Theorie und Praxis:

Unsere XT 660 hat eine Trockensumpfschmierung mit externem Öltank im Rahmenrohr und zwei Ölpumpen. Die Druckpumpe zieht Öl aus dem Tank und drückt es zu den Schmierstellen (Nockenwelle, Kurbelwellenlager usw.) Von hier aus tropft das Öl nach unten und sammelt sich in der kleinen Ölwanne, dem so genannten Trockensumpf. Hier wird das Öl von der zweiten Pumpe, der Rückführpumpe, aufgesaugt und in den Öltank (Rahmen) befördert. Und von da kommt das Öl dann wieder zur Druckpumpe und das Spiel geht von vorne los. Das Ganze nennt sich dann auch „Druckumlaufschmierung“.

 

Die gesamte vorhandene Ölmenge befindet sich also mehrheitlich im Rahmen und zum kleineren Teil im Motor.

Läuft das Motorrad auf dem Seitenständer, dann kann die Rücklaufpumpe das schief stehende Öl im Trockensumpf nicht voll erfassen und wir haben mehr Öl im Trockensumpf als bei gerade stehender Maschine. Und dieses Öl fehlt natürlich im Rahmen.

 

Erster Fehler beim Messen: Man lässt die Maschine im Leerlauf auf dem Seitenständer ötteln, schaltet den Motor ab, richtet die Maschine auf und misst den Ölstand. Jetzt ist aber wesentlich mehr Öl im Trockensumpf als eigentlich sein sollte, entsprechend weniger Öl ist im Öltank und am Messstab ist kaum was zu sehen. Wenn jetzt auf Maximum aufgefüllt wird, ist erheblich zuviel Öl im Motor!!!

Zweiter Fehler: Der Motor wird hochgedreht, schnell abgeschaltet und dann gemessen. Bei höheren Drehzahlen befindet sich mehr Öl im Motor als bei Standgas. Auch hier wird am Messstab wieder ein zu niedriger Stand angezeigt, wer jetzt auf MAX auffüllt macht was falsch.

 

Allgemein ist die Gefahr zuwenig zu messen und folglich zuviel einzufüllen erheblich größer als umgekehrt.

 

Und hier noch mal die detaillierte Anleitung für die perfekte Messung:

 

Motor sollte betriebswarm sein. Motorrad senkrecht stellen, idealerweise mit Montageständer oder Hauptständer arbeiten. Die Maschine ungefähr eine Minute im Leerlauf ötteln lassen. Dann Motor abstellen und eine Minute warten. Messstab rausschrauben, abwischen und wieder ansetzen (NICHT EINSCHRAUBEN!!!). Messstab rausziehen und Ölstand ablesen.

Während des ganzen Vorganges muss die Maschine senkrecht bleiben. Wer alleine ohne Ständer hantiert und die Maschine „mal kurz“ auf die Seitenstütze stellt um den Lappen zu holen hat die Messung bereits versaut.

 

Wenn zuviel Öl da ist, kann man es mit einer dicken 60-ml-Spritze aus der Apotheke und einem Stück 6-mm-Schlauch absaugen

 

Es hat sich als günstig erwiesen, den Ölstand nicht auf MAX, sondern auf HALB einzupegeln, weil so weniger Panschöl über die Motorentlüftung in den LuFi-Kasten gelangt.

 

Und wichtig: Nach jedem Nachfüllen / Absaugen komplett neu messen. Also Motor starten, laufen lassen, abstellen, warten, messen.

 

Das klingt jetzt alles erst mal sehr kompliziert, mit etwas Übung ist das aber ne Sache von drei Minuten. Ich habe mir in der Garage neben dem Stellplatz einen Lappen an dei Wand gehängt. Jetzt kann ich nach der Tour einfach noch nen Moment auf der XT sitzen bleiben und bequem messen.

zurück